Die Anfänge des Ossiloop

Aller Anfang ist schwer
Am 1. Juni 1982 fiel um 19.00 Uhr im Julianenpark Leer der Startschuss zur ersten Etappe der Ossiloop Premiere. 9 Frauen und 18 Männer starteten das Wagnis Ossiloop. Nach der Einweisung in den Streckenverlauf – es gab weder Markierungen noch Kilometerangaben –ging es los Richtung Holtland Ich bin damals selbst mitgelaufen und habe unterwegs noch Hinweise an die Streckenposten gegeben. Die Streckensicherung erfolgte durch fünf Mitglieder der Radfahrgruppe des SV Holtland, die von Straßenquerung zu Straßenquerung Richtung Holtland die Läuferinnen und Läufer begleiteten. Die Radfahrgruppe und auf den letzten beiden Etappen Jugendliche des SC Dunum sorgten für gefahrloses Überqueren der zahlreichen Straßen und Wege; Feuerwehren und Polizei waren noch nicht als Streckensicherung eingesetzt.

Die Zeiten wurden mit Stoppuhren ermittelt und in Einlauflisten notiert. An den Etappenzielen wurden die Tagessieger und die Führenden der Gesamtwertung ermittelt und bekannt gegeben. Erfrischungsgetränke oder Obst gab es nicht, es sei denn die Läuferinnen und Läufer haben sich selbst versorgt.

Die Zeiten wurden während der Rückfahrten von den Etappenzielen im Auto addiert um die Gesamtzeiten bzw die Platzierungen zu ermitteln. Dies haben unsere Kinder gemacht, die Zeiten – problematisch sind die 6 er und 10 er Schritte - addieren konnten. Zu Haus angekommen, habe ich entweder noch spät abends oder am nächsten Tag sehr früh einen Bericht für die Zeitungen geschrieben ( Schreibmaschine ), kopiert und per Post an die Redaktionen geschickt. In meinen Unterlagen habe ich keine Vorschau auf den „Lauf durch Ostfriesland von Leer nach Bensersiel“ gefunden. Nach der Startetappe gab es dann die ersten Zeitungsartikel ( OZ vom 04.06.1982 als 15 zeiliger Dreispalter ). Je näher wir der Küste kamen, umso umfangreicher wurde die Berichterstattung, es gab sogar erste Fotos in der Presse. Dadurch nahm die Öffentlichkeit Notiz vom Lauf durch Ostfriesland (die liebevolle Bezeichnung OSSILOOP setzte sich erst Jahre später durch).

Eine große Überraschung erwartete uns bei der Erstveranstaltung im Ziel der 5. Etappe. Dort empfing uns der Bürgermeister von Dunum und zeichnete die Führenden, Hilde Bontjer und Melchert Stromann mit einem Zinnteller aus. In Bensersiel waren Vertreter der Samtgemeinde im Ziel und vergaben Sachpreise an die Gesamtsieger. Nach einem gemeinsamen Duschen wurde zum Abschluss gefeiert und die Urkunden verteilt. In den Folgejahren hatte Jutta Hecht bei den Abschlussveranstaltungen den Ossiloop Revue passieren lassen und das in Reimform. Wir nutzten diese Zeit, um die Gesamtzeiten zu errechnen, die Urkunden zu schreiben und die folgende Siegerehrung vorzubereiten.

Beim 1. Ostfrieslandlauf 1982 waren 24 in der Gesamtwertung ( 9 Frauen und 15 Männer ) hinzu kamen 5 „Rausfaller“ und 23 Tagesläufer – wir waren eine kleine überschaubare Gruppe, die erstmals Ostfriesland laufend von Süd nach Nord durchlaufen hat. Die ersten Ossilooper kamen aus Holtland, Jheringsfehn, Neukamperfehn, Augustfehn, Neermoor, Burhafe und Wittmund. Sponsoren gab es nicht, ebenso wenig Schirmherren- der Lauf war etwas ganz Neues und es brauchte knapp ein Jahrzehnt bis er sich etabliert hatte.



Die weitere Entwicklung des Ossiloop’s
Gegen Ende der 80 er Jahre war der jetzt in der Presse schon liebevoll „Ossiloop“ genannte Lauf von Leer nach Bensersiel nicht nur bei den Läufersondern auch in der Bevölkerung angekommen. Man sprach im Monat Mai überall über den Ossiloop. Die Teilnehmerzahlen entwickelten sich im ersten Jahrzehnt von 24 auf über 200 Ossilooper, wobei in dieser Statistik nur die gezählt werden, die die Gesamtstrecke zurückgelegt haben; Rausfaller und Tagesläufer gingen nicht in die Statistik ein. Das Teilnehmerfeld war noch überschaubar und beim Zieleinlauf konnte ich jeden benennen und mit ein paar Worten die Leistungen würdigen.
Das Equipment für Start und Ziel wurde von Etappe zu Etappe mit dem Privat PKW transportiert. Längst wurden im Ziel Tee und andere Erfrischungsgetränken sowie Obst gereicht. Vor dem Start hingen Trauben von Läufern vor den Tafeln, auf deren Listen die Ergebnisse jedes Einzelnen aufgeführt waren. Internet bzw Veröffentlichung den Laufzeiten in den Tageszeitungen gab es noch nicht. Die Berichterstattung – Vorschauen und Berichte – nahm in allen Tageszeitungen Ostfrieslands einen immer größeren Raum ein; Sportredakteure waren oft beim Lauf anwesend oder liefen sogar mit. Die Laufzeiten der der einzelnen Etappen wurden nach wie vor mit Stoppuhren ermittelt, in Listen notiert und dann die Gesamtzeiten ermittelt. Letzteres erfolgte schon per PC und die ausgedruckten Ergebnisse
( Zeiten und Platzierungen ) erfuhren die Teilnehmer erst vor dem Start der Folgeetappe. Kompliziert wurde es am Ende des Ossiloop’s in Bensersiel, denn es sollten sowohl die Sieger als auch die Platzierten der Gesamtwertung das Ossiloop – shirt und die Urkunde mit Zeit und Platz erhalten. Von Bensersiel wurden die Zeiten nach Leer zur OZ gefaxt, dort wurden diese in den PC eingegeben und die Gesamtzeiten und Platzierungen ermittelt. Per Fax wurden diese Ergebnisse zurück nach Bensersiel gefaxt und dort wurden dann die Urkunden geschrieben. So konnten alle Läufer bei der Abschlussveranstaltung das begehrte Ossiloop- shirt und die Urkunde in Empfang nehmen. Der Ort der Abschlussveranstaltung wechselte im Lauf der Jahre mehrfach, da die Teilnehmerzahlen ständig gestiegen sind. In den letzten Jahren wurde vornehmlich aus Platzgründen auf eine Abschlussveranstaltung verzichtet. In den ersten beiden Jahrzehnten wurden die Ergebnisse und die Zeitungsartikel gesammelt und in einer Mappe zusammengestellt. Die Mappen wurden -Wochen später- bei Laufveranstaltungen an die Ossilooper ausgegeben. Sie sind heute Zeugnis der Geschichte und Entwicklung des Ossiloop; viele kleine Begebenheiten sind aufgeführt und helfen der Erinnerung an die ersten Jahre dieser Laufveranstaltung.

Das Besondere des Ossiloop
Was ist nun das Besondere am Ossiloop und was hat dazu geführt, dass er sich so entwickelt hat, dass mehr als 2000 Läufer daran teilnehmen? Aus meiner Sicht sprechen folgende Gründe für die Beliebtheit dieser in der Bundesrepublik einmaligen Laufveranstaltung.

  • Lauf in 6 Etappen über einen Zeitraum von drei Wochen
  • Lauf durch die drei Landschaften Ostfrieslands Geest, Moor und Marsch
  • Lauf im Frühjahr, in der es in Ostfriesland am schönsten ist
  • Das Rahmenprogramm in den Etappenzielen von den Kommunen organisiert: Tanz- und Musikgruppen, Musikkapellen, Jagdhornbläser, Posaunenchor, Teetafel, Spielmannszug
  • Auszeichnungen in den Etappenzielen nicht nur für die Ersten
  • Treffen und Erzählen der Läufer vor den Ergebnistafeln oder bei den Erfrischungsständen
  • Lauf bei den 6 Etappen immer vor oder hinter den gleichen Läufern – man lernt sich kennen
  • „Ich bin durch Ostfriesland gelaufen“ ist eine ganz persönliche AuszeichnungText