Ostfriesen-Zeitung

25.02.2006

Ostfriesland-Cross stieß zunächst auf Kritik

In der Serie „Zurückgeblättert“ greift die OZ jeden Sonnabend interessante Sportgeschichten aus der Vergangenheit auf. Im wöchentlichen Wechsel wird über Themen berichtet, die vor 10, 20, 30, 40 oder 50 Jahren im ostfriesischen Sport für Schlagzeilen sorgten

OZ-SERIE SV Holtland verlegte Strecke in den Heseler Wald

_autor_Von Günther Czempiel hesel - Der Ostfriesland-Crosslauf, den der SV Holtland vor 14 Tagen zum 30. Mal im Heseler Wald ausrichtete, hat mit den ersten Veranstaltungen nicht mehr viel gemeinsam. „Das Rennen sollte richtig schwer sein“, erinnert sich Klaus Beyer an die Anfänge. Die Strecke im Veenhuser Königsmoor führte über nasse Wiesen und Gräben, über Moorpassagen und Sandwege. Sie stellte so hohe Anforderungen, dass es gerade von den einheimischen Sportlern Kritik hagelte und sie lieber fernblieben. Deshalb verlegte der SV Holtland die Veranstaltung bereits 1979 in den Heseler Wald und veränderte bis heute kaum etwas an der Streckenführung.

138 Teilnehmer aus 35 Vereinen beteiligten sich in 16 Altersklassen an der Premiere im Januar 1977. Weil der Niedersächsische Leichtathletik-Verband den Lauf in Ostfriesland zum Ausscheidungsrennen für den internationalen Mezidon-Cross in Frankreich bestimmte, gingen die besten Sportler aus Niedersachsen und West-Berlin an den Start. Meisterschaften gab es damals in dieser Disziplin nicht. „Wir wussten von dieser Qualifikation für Frankreich und wollten mal so eine Veranstaltung durchführen“, erzählt Beyer, der 1969 als Lehrer nach Brinkum kam und zunächst für Germania Leer startete, ehe er die Leichtathletik-Sparte des SV Holtland aufbaute. „Die Strecke sollte schön und schwer sein.“ Deshalb überredete er einen Bauern, sein Feld zu pflügen. Natürlich führte die Strecke dann über dieses Gelände. „Nach 50 Metern hatten alle nasse Füße“, erzählt Beyer, der die Veranstaltung zusammen mit Reinhard Knoop aus der Taufe hob. Da war es nur ein schwacher Trost, dass die Regenschauer bei der Premiere pünktlich zum Start aufhörten.

Überragender Teilnehmer beim ersten Ostfriesland-Cross war Friedel Klement. Der Leichtathlet des VfL Wolfsburg gewann innerhalb von 90 Minuten sowohl den Lauf über die Mittelstrecke (3500 Meter) und als auch den Lauf über die Langstrecke (10 500 Meter). Prominentester Sportler war MdB Carl Ewen, der in der Altersklasse für den TuS Pewsum startete. Der Berliner Bernd-Dieter Hecht kam im Moor mehrfach von der Strecke ab. Dank seiner großen läuferischen Qualitäten siegte er dennoch in der Altersklassen-Wertung. Die Ergebnisse wurden handschriftlich notiert. „Und sie sind gut zu lesen, unglaublich“, wundert sich Beyer heute, wenn er seine Unterlagen durchblättert.

Während die Spitzenläufer nicht mit Lob sparten, schimpften viele Jugendbetreuer über die Bedingungen. „Die Waldläufe haben uns aber in der Spitze nicht weitergebracht“, urteilt Beyer im Rückblick. „Die Härte kriegt man nur im Gelände.“ Doch richtig etablieren konnte sich der Cross im Königsmoor nicht. Deshalb wich der Veranstalter in den Heseler Wald aus - die richtige Entscheidung, wie sich zeigte.

Bericht aus der Ostfriesen-Zeitung vom 25.02.2006

www.sv-holtland.de